Für all diejenigen, die noch nie auf der Frankfurter Buchmesse waren…es ist riesig mit seinen rund 7500 Ausstellern und etwa 280.000 Besuchern.
Man kann diese Beschreibung natürlich auch weiter ausführen, aber kurz gehalten bedeutet es man muss im wahren Sinne des Wortes aufpassen, dass man nicht erschlagen wird. Besonders am Wochenende an dem die Messe auch für den Publikumsverkehr geöffnet hat, sollte man sich vor autogramm- und kullijagenden Vieltaschenträgern in Acht nehmen, wenn man nicht unter die Räder geraten will.
Tag 1 – Montag
Die Anfahrt
„Denk noch mal nach, haben wir jetzt alles dabei?“
Die Buchmesse gibt zwar vor nur fünf Tage im Jahr zu sein, dass stimmt nicht. Wenn man es genau nimmt beschäftigt man sich etwa zwei Wochen vor und eine Woche nach der eigentlichen Messewoche mit den Vor- und Nachbereitungen. Damit ist die Buchmesse per se eine vereinnahmende Veranstaltung, doch als Startup-Unternehmen wechselt man quasi die Branche.
Da werden Messemöbel verpackt, kurzfristige Pressemitteilungen geschrieben, Druckdienstleister bestochen, dass die Visitenkarten und die Broschüre noch dringend fertig gemacht werden müssen.
Und immer wieder lautet die Frage: „Haben wir jetzt alles?“
Fazit : „Wir sind besser geworden als letztes Jahr, da sind wir erst um sieben aus Berlin losgekommen und haben eigentlich nix wichtiges vergessen.“
Tag 2 – Dienstag
Der Aufbau
„Hängt er gerade, Suse, kannst du mal gucken? Verdammt, wieso haben wir keine Wasserwaage dabei?“
Junge Menschen sind mit simplen Dingen zu faszinieren, ich bin davon nicht ausgenommen.
Nachdem ich die ersten zwei Stunden des Aufbaus unseren Müll noch fleißig in Tüten gesammelt habe, wurde ich mitgerissen. Der Müll landet auf den Gängen. Rechte Schulter, linke Schulter. Knäule von Paketband fliegen nicht besonders gut, aber es hat einen eigenen Reiz wenn die Hubwagen darüber hinweg rollen und im Anschluss eine monotone Melodie von schmatzenden, ratschenden Lauten hinter sich her ziehen.
Acht Stunden Messeaufbau ohne größere Katastrophen können insgesamt als Erfolg gewertet werden.
Tag 3 – Mittwoch
„Smart-Learning” – Bildung für die Hosentasche, aber nicht Bildung für die Katz.“
Der erste wirkliche Messetag.
Rangkämpfe vor der Badezimmertür einer Ferienwohnung in Alt-Sossenheim.
Die Bisswunden hielten sich in Grenzen und ab 9 Uhr standen die tunies voll motiviert am Messestand. Der Meetingmarathon kann beginnen. Marlies und Volker absolvieren im Halbstundentakt ihre Termine und Simon kommt ins Fernsehen.
Gleich zweimal.
Der bayrische Rundfunk war als erster am Stand und das ZDF zog nach mit „aspekte“.
http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/rundschau/buecher-buchmesse-frankfurt-ID1286377197091.xml
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/500#/beitrag/video/1159914/aspekte-vom-8-Oktober-2010

Nach dem reibungslosen Tag kam dann bei mir und Suse allerdings doch noch ein wenig Hektik auf. Nachdem wir uns irre viel Mühe mit dem Binden von rosa Schleifchen für unsere Referentengeschenke gegeben hatten, wären wir beinahe zu spät zur eigens von uns veranstalteten Diskussionsrunde gekommen.
Die Veranstaltung im Forum Bildung sollte eine Plattform bieten sich über bestehende Pilotprojekte zum Thema „Smart Learning“, sprich Lernen auf mobilen Devices zu unterhalten und kritisch zu beleuchten.
Eine tadellos harmonische Runde und mit einer stattlichen Anzahl von Zuhörern unser krönender Abschluss von Tag eins.

Tag 4 – Donnerstag
„textunes lässt die Hosen runter“
Normalerweise sprechen bei textunes die Projektarbeiten mit den Verlagen für sich und so war die Ressonanz auf „enhanced ebook“, bspw. mit Rowohlt Digitalbuch oder Luebbe Basteis Titel „Sturz der Titanen“ entsprechend groß, doch auch ein Interesse an der Entwicklung von textunes war spürbar auf der Messe. Besonders die Ankündigung „die Hosen herunterzulassen“ und unsere Erkenntnisse aus zwei Jahren mobile Publishing zu teilen, wo die Zahlen von allen anderen Anbietern zumeist hinter dem Berg gehalten werden, bescherte uns regen Zulauf und die Besucher haben sich regelrecht gestapelt.
Anstoß zu diesem Vortrag gaben die diesjährigen Hot Spots auf der Buchmesse, die es den Verlagsprofis leichter machen sollten, Kontakte zu Technologieunternehmen zu knüpfen und neue digitale Geschäftsoptionen zu erschließen.


Bild des Tages:
unsere textunes-twins

Zur Integration von chronisch ausgegrenzten EDVlern haben wir einen Dresscode formuliert an den sich Björn und Holger dann aber doch unverhofft strikt gehalten haben.
Tag 5 – Freitag
„Wie ist der Plan für heute Abend?Wie kommen wir denn da hin?”
Ab Freitagmittag etwa ändert sich dann schleichend das Publikum und es mischen sich vermehrt auch Schulklassen und Auszubildende aus der Branche unters Besuchervolk, was dazu führt, dass sich die Geräte nach dem Stöbern öfters auf Seiten wie mein VZ oder facebook wiederfinden.
Meine persönliche Rache wäre gewesen, alle Freundschaften zu kündigen, aber Holger konnte mich doch immer wieder überzeugen, dass es nicht schlimm ist 500 mal am Tag aufzustehen und die Showtitel aufzurufen.
In diesem speziellen Fall sei gesagt: Safari sucks!
Trotzdem gibt es auch immer einen Lichtblick, denn Reiner kommt um sich seine Babies anzusehen!
Mit diesen Dingen kann man sich zwar einen ganze Tag vertreiben, aber wer will dass schon.
Zur Abwechslung wurde deshalb allen tunies das Schlafen von Freitag auf Samstag weitestgehend untersagt und die Party der Independent Verlage gerockt.

Tag 6 – Samstag
„Verkaufen Sie iPads, können Sie mir sagen wie lang die Akkulaufzeit ist?“
Zwei Stunden Schlaf später.
Gleiche Szene, auf der Buchmesse.
Die tunies erscheinen nicht mehr ganz so geschlossen auf der Messe und auch die Geschichtsfarbe hat sich einige Nuancen ins Weiß verschoben.
Dennoch rollt die Menschenmasse des ersten Messetages mit Publikumsverkehr ungebremst auf den Messestand zu.
Müde Augen schauen mit stumpfem Blick in Gesichter voller Fragezeichen.
„Verkaufen Sie ebooks, oder wie heißen die Maschinen noch, eiPäd?“
„Wie lange ist die Akkulaufzeit dieser Apple-Geräte?“
„Wie teuer ist so ein iPad?“
„Ist das so ein ebook?“
„Kann ich meine Apps dann auch auf dem PC lesen?“
− Warum hat mich niemand vorgewarnt? –

Tag 7 – Sonntag
„Ey, die Stifte brauchen wir noch, die können Sie nicht mitnehmen!“
Letzter Messetag, letzte Chance die Gastfreundlichkeit unserer netten Standnachbarn in vollen Zügen zu genießen, ab morgen müssen wir uns wieder selbst verpflegen.
Bei Prosecco und Pralinenentzug in Reichweite muntert der anstehende Messeabbau nicht auf.
Letzte Versuche werden gefahren möglichst wenig Werbematerial mit zurück nach Berlin zu nehmen.
http://www.facebook.com/v/1348056196563Video: Simon arbeitet am textunes-Bekanntheitsgrad
Anscheinend sind wir jedoch nicht die einzigen Aussteller, die diese Taktik fahren und der Messeverkaufstag erleichtert unsere Bemühungen auch nicht.
Der ungebrochene Menschenfluss der sich an unserem Messestand vorbeidrängt gleicht zunehmend einer Karawane von Lasteneseln, die immer auf der Suche nach Give-aways durch die Gänge ziehen und alles mit sich reißen was nicht Niet und Nagel fest ist.
In welche falschen Richtungen diese insgeheimen Wünsche führen können zeigt folgende Situation: Drei tunies sitzen rund um unseren Messetisch und unterhalten sich mit einem Kunden. Aus dem Nichts taucht aus dem Gang ein Arm auf greift unter dem rechten Arm von Suse entlang, an den Broschüren vorbei, quer über den Tisch, zum Stiftehalter und schnappt sich zwei Stifte aus unserem Büromaterial und ist binnen Sekunden verschwunden.
Während Simon gerade noch seinen Satz beendet ertönt ein Schrei und Suse brüllt über den Messstand: „Ey, die Stifte brauchen wir noch, die können Sie nicht mitnehmen!“
Schön wars!
„Adiö an die Schweiz“.
„Servus nach München.“
„Ciao an die Mannheimer.“
„Wir sehen uns im nächsten Jahr!“

- Mein Resumee für die erste Messe bei textunes: textunes rockt! – Rieke